Maria Magdalena und die heilige Blutlinie

Ein Beitrag von Herbert van Erkelens

Ich dachte, es wäre eine gute Idee, an Oma Cornelias Geburtstag zusammen mit Inge die Ausstellung über Maria Magdalena im Katharinenkloster zu besuchen. Der siebte September ist ein wichtiger Tag, denn an diesem Tag wurde meine Großmutter 1881 geboren. Ich habe die Geburtsurkunde in den nordholländischen Archiven eingesehen. Der Vater wurde als unbekannt bezeichnet. Aber das glaube ich natürlich nicht. Denn laut Tante Tine stand er in der Langestraat in Alkmaar, als seine Tochter Cornelis van Erkelens, der mein Großvater werden sollte, im Rathaus heiratete.
Als ich in Utrecht ankam, habe ich nie wieder an meine Großmutter gedacht. Dank des Zeitfensters, das Inge beantragt hatte, wurden wir hineingelassen. Ohne Corona-Pass oder ein negatives Testergebnis! Und so konnten wir alle Gesichter genießen, die Maria Magdalena heutzutage haben darf. Ich war erleichtert. Denn hier wurde die Phantasie ernst genommen. Jeder durfte seine eigene Maria Magdalena wertschätzen. Es gab keine Verurteilung.
Natürlich habe ich mich auch auf die Suche nach meiner Maria Magdalena gemacht. Es stellte sich heraus, dass gelehrte Theologen im sechsten Jahrhundert fälschlicherweise glaubten, Maria Magdalena und Maria von Bethanien seien gleichgesetzt worden. Aber in den Botschaften, die Maria Magdalena durch ihre Botin Judith Moore weitergab, spricht sie immer wieder von ihrem Bruder Lazarus. Sie war von den Eltern des Lazarus, die in Bethanien lebten, als Pflegekind adoptiert worden. Sie war von Beduinen in der Wüste Sinai gefunden worden, nachdem alle anderen Mitglieder der Karawane, einschließlich ihres Vaters und ihrer Großmutter mütterlicherseits, von Räubern ermordet worden waren.
Das ist das größte Wunder von allen. Wie hat Maria Magdalena als einjähriges Kind die Reise von Äthiopien nach Jerusalem überlebt? Kein einziges Bild in der Ausstellung zeigte sie als schöne Äthiopierin aus Tigray. Kein Wunder, dass sie eine so geheimnisvolle Frau wurde. Magdala ist keineswegs ihr Geburtsort. Und so gibt auch der Ort Magdala am See Genezareth keinen Aufschluss über ihre Herkunft.
Einer der hervorgehobenen Romane ist Dan Browns The Da Vinci Code aus dem Jahr 2003. Darin wird beschrieben, dass Maria Magdalena von Jesus während der Kreuzigung schwanger war. Auf diese Weise hätte sie eine heilige Blutlinie fortgesetzt. Kuratorin Lieke Wijnia kommentiert: “Diese Blutlinie soll der eigentliche Heilige Gral sein. In diesem Roman stützt sich Brown auf die oben erwähnten frühchristlichen oder gnostischen Texte, in denen beschrieben wird, dass Jesus Maria Magdalena mehr liebte als andere Jünger.
Die Maria Magdalena aus “The Da Vinci Code” ist meine Maria Magdalena, die eine Blutlinie von Töchtern des Grals hervorgebracht hat. Der wahre Gral liegt in der DNA dieser Blutlinie und hat sich in zweitausend Jahren über die ganze Welt verbreitet. Die Grals-DNA ist die voll entwickelte DNA mit dreizehn Strängen. Der dreizehnte Strang ist ein verborgener Strang, der nicht manipuliert werden kann und für die reine Liebe und unsere Rückkehr zur Gnade steht.
Als ich nach der Ausstellung im Museumscafé durch das Museumsmagazin blätterte, spürte ich die Energie von Maria Magdalena. Inge fragte sofort, warum ich immer so traurig werde, wenn ich die Gegenwart von Maria Magdalena spüre. Ich konnte nicht so schnell daran denken. Aber jetzt habe ich den Verdacht, dass die Pandemie und die anschließende weltweite Impfkampagne für mich Grund genug sind, traurig zu sein. Zunächst sollte es um Gruppenimmunität und die neue Normalität gehen, aber jetzt geht es in den Niederlanden nur noch um die höchstmögliche Impfrate.
Wenn ich Dan Brown gewesen wäre, hätte ich sofort Material für eine Fortsetzung von ‘The Da Vinci Code’ gefunden. Da es nicht gelungen ist, die heilige Blutlinie auszulöschen, sind die dunklen Mächte davon ausgegangen, dass die einzige Möglichkeit, den Gral zu deaktivieren, eine massive Impfkampagne wäre. Denn damit könnte die Kommunikation mit unserer DNA gestört werden. Ich weiß nicht, ob dies ein realistisches Szenario ist, aber es wäre der ultimative Test für den Gralscode.
Ich bin also immer noch besorgt und traurig. Ich habe das Gefühl, dass ein Schatten über die Welt gekommen ist. Und ich weiß nicht genau, was sich hinter diesem Schatten verbirgt. Aber wenn wir dem Leben mit der Kraft von Maria Magdalena begegnen, gibt es wieder Hoffnung. Sie hatte einst die Zuversicht, dass ihr Erbe auch nach 2000 Jahren noch Bestand haben würde. Sie wurde eine reuige Sünderin und eine Prostituierte genannt. Seit Jahrhunderten wird sie von der römischen Kirche ausgegrenzt. Dennoch ist sie stärker als je zuvor daraus hervorgegangen. Diese Ausstellung beweist es. Sie war noch nie so lebendig wie jetzt.
Blick in die Ausstellung. Foto: Lieke Wijnia.