Beschreibung
Online- Buchvorstellung
Wenn wir staunend vor den Pyramiden, vor den riesigen Tempeln und Säulen stehen, drängt
sich die Frage auf, ob die Alten Ägypter von einer Weisheit erfüllt waren, die uns in dieser Form
verloren gegangen ist. Welches tiefere Wissen gehörte zu Ihnen als ein geistiger Besitz, über den
wir offensichtlich nicht mehr verfügen? Ist Weisheit ein intuitives Für-Wahr-Halten, das sich
dem rationalen Begreifen entzieht? Mit dem klugen Wissen der Antike, mit einer zunehmenden
Dominanz des logischen Denkens, sind wir gewohnt, das ahnende Verständnis der Geheimnisse
des Lebens als irrational abzuwerten. Die ägyptische Sicht, die Welt, die Menschen, die Natur
als archetypische Gegebenheiten wahrzunehmen, ist uns fremd geworden. Die Geheimnisse des
Lebens ahnend zu erfassen, die Bildersprache und ihre Symbolik in ihrer berührenden Tiefe
fühlend zu erleben, gerade in ihrer Irrationalität, erscheint tatsächlich unvernünftig. Eindeutige
Denkmodelle versprechen klare Lösungen.
Das ägyptische Wissen ist mehrdimensional. Seine Weisheit heißt möglicherweise, um das
Geheimnis des Lebens und des Todes zu wissen und im Tod das Leben und im Leben den Tod zu
erkennen. Ihr Wahrnehmen der Welt schloß immer auch die Götterwelt mit ein. Und die Götter
offenbarten sich der Erkenntnis nur in ihrer Vieldeutigkeit. Sie boten damit einen symbolischen
Einweihungsweg an, der die Transzendenz als selbstverständliche Gegebenheit in ihrem
Verständnis einbezog. Die Einweihung können wir vielleicht als ein Erlernen der Symbolsprache
verstehen, die dazu herausfordert, lebenslang verschiedene Perspektiven einzunehmen, um
der Weisheit, also einem vertieften intuitiven Wissen näher zu kommen. Das schließt auch die
Suche nach dem Sinn des Daseins mit ein. Göttlichkeit als sichere Gegebenheit und ein an dieser
Tatsache orientiertes Leben war Teil ihrer Sinnfindung.
Mit dem Buch ist der Versuch gewagt, bei den Alten Ägyptern Hilfestellung zu finden, um die
ihnen zur Verfügung stehende Transzendenz auch für unsere Zeit neu zu entdecken. Könnte mit
dieser Neuorientierung ein Schritt aus der individuellen und kollektiven Krise möglich sein?
Damals wurde auch ganz selbstverständlich neben einer pragmatischen, mit der Wissenschaft
im engen Austausch stehenden Haltung, die religiöse, auf die Götter bezogenen Wertschätzung
gelebt. Und schließlich hatte die Magie den dritten, wichtigen Faktor beizutragen. Erst damit
wurde eine gefühlte Ganzheit erreicht.
Ihre Einstellung galt der Verbindung scheinbar gegensätzlicher Momente zu einem harmonischen
Ausgleich. Der Philosoph Jürgen Habermas versuchte in gleicher Weise in unserer Zeit
gegensätzliche Positionen in einer Philosophie des Ausgleichs zusammen zu führen, anstatt zu
spalten und den anderen zu bekämpfen. Wir scheinen um den richtigen Weg zu wissen. Warum
wagen wir nicht, ihn zu gehen? Transzendenz als Versuch, sich auf schon Bewusstes zu beziehen
und in die Tat umzusetzen! Vielleicht ist der Reichtum, nicht im Sinne des Habens, sondern des
Seins auch durch das wunderbare Neue Ägyptische Museum neu zu entdecken: Der Blick der
Moderne auf die unsterblichen Pyramiden, die Verknüpfung von alt und neu in verbindender
Entdeckung! Es scheint, als böte sich die Ahnung einer sich verändernden Einstellung an. Als
Gradmesser leitet uns doch die vielstimmige Begeisterung dieser faszinierenden Kultur!
Können wir in einer Verbindung von Haben und Sein, von einer Bezogenheit auf die Realität und
der Gleichwertigkeit einer Geist erfüllten Transzendenz neue Akzente setzen, die einen Abgrund
meiden, der uns zu verschlingen droht? Ist es möglich, dem Leben und unserer Endlichkeit neue
Inhalte zu verleihen, die eine Vereinigung der Gegensätze erlauben?





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