Beschreibung
Wolfgang Pauli und der Geist der Materie
von Herbert van Erkelens
Ich glaube, dass es das Schicksal des Abendlandes ist, diese beiden Grundhaltungen, die kritisch-rationale, verstehen wollende auf der einen Seite und die mystisch-irrationale, das erlösende Einheitserlebnis suchende auf der anderen Seite immer wieder in Verbindung miteinander zu bringen. In der Seele des Menschen werden immer beide Haltungen wohnen, und die eine wird stets die andere als Teil ihres Gegenteils schon in sich tragen. Dadurch entsteht eine Art dialektischer Prozess, von dem wir nicht wissen, wohin er uns führt. (…)
Gewarnt durch den Misserfolg aller verfrühten Einheitsbe-strebungen in der Geistesgeschichte will ich es nicht wagen, über die Zukunft Voraussagungen zu machen. Entgegen der strengen Einteilung der Aktivitäten des menschlichen Geistes in getrennte Departemente seit dem 17. Jahrhundert halte ich aber die Zielvorstellung einer Überwindung der Gegensätze, zu der auch eine sowohl das rationale Verstehen wie das mystische Einheitserlebnis umfassende Synthese gehört, für den ausgesprochenen oder unausgesprochenen Mythos unser eigenen, heutigen Zeit.
Wolfgang Pauli
Diese neue , vollständig überarbeitete Ausgabe über den Physiker und Nobelpreisträger Wolfgang Pauli (1900-1958) stützt sich auf den in den letzten Jahren publizierten Briefwechsel zwischen Pauli und den Tiefenpsychologen Carl Gustav Jung, Marie-Louise von Franz und Aniela Jaffé. Im Zentrum der Biographie stehen aber nicht Paulis wissenschaftliche Entdeckungen, sondern seine Träume und die Aktive Imaginationen – z. B. Die Klavierstunde. C. G. Jung hat in seinem Werk Psychologie und Alchemie mehr als 80 Träume aus der Frühphase seiner Begegnung mit Pauli publiziert und mit Interpretationen versehen. Im vorliegenden Band geht es vor allem um Paulis an diese Frühphase sich anschließende „alchemistische Quest“, seine Suche nach der Einheit von Psyche und Physis.
Nach 1945 kehrt Pauli aus Amerika zurück an seinen Lehrstuhl für Theoretische Physik an der Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich. Damit beginnt für ihn eine lange, innere Wanderung, in deren Verlauf er durch Traumfiguren dazu gedrängt wird, eine „erweiterte Naturwissenschaft“ zu entwickeln. Bald zeigt sich, dass es in unserer Erfahrungswelt eine verborgene, archetypische Dimension vom Sinn jenseits der kartesischen Spaltung von Geist und Materie gibt. In Paulis Träumen wird diese Dimension vertreten durch zwei eindrucksvolle Traumfiguren, die er den „hell-dunklen Fremden“ und die „Chinesin“ nennt. Sie vermitteln dem Wissenschaftler Pauli einen Realitätsbegriff, der auch die von Jung als Synchronizität bezeichneten sinngemässen Koinzidenzen in unserem Leben umfasst. Das innere Zwiegespräch Paulis mit dem „Fremden“ und der „Chinesin“ gehört zu den faszinierendsten und auch bewegendsten Dokumenten der modernen Wissenschaftsgeschichte.




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