Antiquariat – Alfred Ribi, Die Dämonen des Hieronymus Bosch

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Beschreibung

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Die Erstausgabe aus dem Jahre 1990 ist noch mit wenigen Exemplaren verfügbar und der Preis ist deutlich günstiger als anderswo 😉

 

 

VORWORT

Bevor ich zu meinen eigentlichen Ausführungen über den Maler Hieronymus Bosch übergehen kann, bin ich dem Leser wohl eine Erklärung schuldig, wie ein Analytiker Jungscher Richtung und Psychiater sich erdreisten könne, etwas Stichhaltiges zu einem Thema der Kunstgeschichte beisteuern zu wollen. Daß ich mich seit meiner Gymnasialzeit für Malerei, speziell jene des 20. Jahrhunderts, interessiert habe, mir aus dem spärlichen Taschengeld das Buch von Werner Haftmann1 über dieses Thema, die Monographien über Pablo Picasso2 und über Paul Klee3 gekauft und sie gründlich studiert habe, daß ich fast jede Ausstellung im Kunsthaus Zürich besuchte, mögen Äußerlichkeiten sein. Zu ihnen verliefen meine eigenen Malversuche parallel, die als unerwartetes Ergebnis die Möglichkeit, drei Bilder im Lichthof und der Mensa der Universität auszustellen, zeitigten. Ich muß meine zeitlebens bald intensiver, bald seltener gemachten Malereien als Versuche bezeichnen, weil sie nie über das Dilettantische hinaus gediehen, wozu mir die Begabung und die Ausbildung fehlten. Dafür bildete die Malerei für mich stets eine Liebhaberei im guten Sinne, nämlich eine Liebe dazu, die Welt mittels der Augen zu erfahren. Ich habe dabei, besonders beim Naturstudium, meine Beobachtungsfähigkeit geschult, was mir für die vorliegende Arbeit von unschätzbarem Nutzen war.

Seit der Gymnasialzeit bestanden Diskussionsmöglichkeiten über Kunst. Doch erst die langjährige Freundschaft mit Ueli Müller, Vorsteher an der Schule für Gestaltung in Zürich, der selber intensiv malt und die Kunstgeschichte gründlich kennt, stellte meine eigenen Ansichten auf das nötige fachliche Fundament. Die Möglichkeit, meine eigenen Ideen mit einem Fachmann zu diskutieren, gab mir erst den Mut, mit ihnen an die Öffentlichkeit zu treten.

Das ist die eine Wurzel meines Themas. Die andere stammt aus meinem eigenen Arbeitsgebiet, wo ich mich der Erfahrung wegen sicherer fühle.

Vor vielen Jahren kaufte ich mir De Tolnays Buch über Hieronymus Bosch, weil es günstig zu haben war. Ich schaute es kurz durch, schüttelte über das «abstruse Zeug» den Kopf und stellte es ins Büchergestell. Aber ich hatte ein sicheres Gefühl, daß einst der Tag kommen werde, an dem ich den Maler gründlich studieren müsse, um seine Bilder zu verstehen. Jahre verflossen mit anderen Arbeiten, doch der Maler geriet bei mir nie in Vergessenheit. Da wurde ich von der Redaktion der ‹Encyclopedia of Religion›4 angefragt, den Artikel über die Dämonen zu schreiben. Ich begann mich in diese Materie zu vertiefen, wobei ich mich auf den psychologischen Aspekt beschränkte. Im Laufe meiner Quellenstudien, die mich auch an die British Museum Library führten, mußte ich feststellen, da es nicht genügte, einen Handbuchartikel darüber zu schreiben. Meine umfassenden Literaturstudien kamen mir zugute, als meine Träume mich aufforderten, das Thema als Buch darzustellen.5 Da wusste ich, daß eines der Kapitel Bosch gewidmet sein werde. Mit Recht erhob der Verlag Einspruch dagegen, daß in einem psychologischen Sachbuch das längste Kapitel einem Maler gewidmet sein soll, was zahlreiche Abbildungen benötigen würde. So entschloß ich mich, wegen der Wichtigkeit des Themas und wegen meiner Liebe zu den gräßlichen Dämonen des Malers ihm eine eigene, ausführliche Deutung zuteil werden zu lassen. Fast hätte mir jedoch die große Zahl der Publikationen über ihn in den letzten drei Jahrzehnten den Mut genommen, mich auch zu Wort zu melden. Wir dürfen unsere arg strapazierten Wälder nicht durch Druck unnötiger Bücher zusätzlich belasten. Zu meiner inneren Rechtfertigung, dieses Buch zu schreiben, konnte mir die Tatsache verhelfen, daß, soweit meine Literaturkenntnis reicht, das Problem unseres Malers noch nie aus dieser Sicht angegangen worden ist. Ich habe um der Wissenschaftlichkeit willen meinen Ansatz ziemlich genau dargelegt. Im Epilog habe ich gewisse psychologische Begründungen nachgeliefert, die allenfalls bei der Behandlung der einzelnen Motive zu kurz gekommen sind. Ich habe diese Begründungen an den Schluß des Buches gestellt, um dem Leser nicht den Eindruck zu geben, ich wolle am Maler eine psychologische Theorie verifizieren. Im Gegenteil soll dieser von mir möglichst unvoreingenommen durch das Werkzeug der Jungschen Psychologie zu einem Verständnis der Aussagen der Malerei unseres Meisters geführt werden.

Eine weitere innere Rechtfertigung bildete für mich die Tatsache, daß es mit dieser Methode möglich ist, dem Maler trotz der Spärlichkeit der Quellen und ohne phantastische Hypothesen gerecht zu werden. Die Jungsche Psychologie bietet, im richtigen Sinne angewandt, die Möglichkeit, das Werk eines Künstlers viel tiefer und von innen heraus zu verstehen.6 Die Kombination von Kenntnis der Jungschen Psychologie aus eigener innerer Erfahrung und gründlicher Kenntnis der Kunstwerke und ihrer Schöpfer ist ein

seltener Glücksfall. Ich war dem Leser wohl darum Auskunft über meine Kenntnisse über die Malerei schuldig. Ich hoffe, er werde meine Kenntnisse und Fähigkeiten im Hauptberuf ohne weitere Ausweise akzeptieren.

Allen denen, die meiner Arbeit ihr Interesse zukommen ließen, gilt mein herzlicher Dank. Meines Malerfreundes habe ich schon gedacht. Speziell erwähnen möchte ich nur noch die Studenten des C. G. Jung-Institutes, denen ich meine Bilderdeutungen als Anregung zu ihren eigenen analytischen Bermühungen mitgeben durfte, und Frau Marie-Louise von Franz, die trotz einer ermüdenden Alterskrankheit mit regem Interesse die Entstehung meiner Arbeit verfolgte und unterstützte. Als überragende Kennerin der Jungschen Psychologie und enge Mitarbeiterin von C. G. Jung ist manche private Bemerkung und Kritik eingeflossen, ohne daß das jedesmal hätte angemerkt werden können.

So möge denn dieses kleine Werk in die Welt hinausgehen, um für ein Verständnis der Malereien von Hieronymus Bosch zu werben, aber auch um unsere eigenen Zeitprobleme auf diesem Hintergrund besser zu verstehen.

Erlenbach, im November 1988

1 Haftmann, Werner: Malerei des 20. Jahrhunderts, 

2 Boeck, W.: Pablo Picasso. 

3 Grohmann, W.: Paul Klee.

4 Eliade, M. (Hrsg.): The Encyclopedia of Religion. New York: 1987. S. v. Demons. Psychological Perspectives, in: Vol. 4, S. 288, von Alfred Ribi.

5 Ribi, A.: Was tun mit unseren Komplexen?

6 Vgl. dafür die ausgezeichnete Arbeit von Barbara Hannah: Striving towards wholeness.

 

 

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